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Reisebericht 2012

Phnom Penh boomt

Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh boomt ... und kämpft mit dem Verkehr. Als ich die Stadt vor vierzehn Jahren zum ersten Mal sah, waren die Strassen fast nur von Velos und Mofas belebt. Doch jedes Jahr kommen mehr Autos hinzu, und heute herrscht auf den Strassen ein wildes Durcheinander von allen möglichen Vehikeln. Mit Überführungen und Verkehrsampeln versucht man, dem Chaos Herr zu werden, doch die Strassen und Kreuzungen sind oft so verstopft, dass gar nichts mehr geht. Viele Leute tragen einen Mundschutz, um weniger Abgase einatmen zu müssen.

In Kambodscha verkehren mehr Offroader der Marke „Lexus“ als in der reichen Schweiz, doch den armen Leuten geht es deswegen nicht besser. Sie kämpfen um ihr tägliches Brot. Die Aktivitäten der verschiedenen Hilfswerke sind nötig und willkommen.

Die Clinic arbeitet eigenständig

Unter dem schattigen Vordach der HOPE FOR ALL Clinic sitzen immer viele Leute, die auf ihre Behandlung warten. Sie haben Kärtchen mit einer Nummer und können abschätzen, wann sie aufgerufen werden. In der Regel müssen sie weniger als eine Stunde warten.

In der zahnärztlichen Abteilung sind alle vier Behandlungsplätze ständig belegt. Ein weiterer komplett eingerichteter Raum dient als Reserve und zur Voruntersuchung von neuen Patienten.

Zwei Zahnärzte aus unserer Clinic haben im vergangenen Jahr den Doktortitel erworben. Wir konnten drei fähigen jungen Leuten aus armen Verhältnissen ein Stipendium für ein Zahnarzt-Studium vermitteln. Sie werden den praktischen Teil ihrer Ausbildung an der Clinic absolvieren.

Seit Januar 2011 arbeitet die Clinic auf eigene Rechnung. Der Verein HOPE FOR ALL überweist regelmässige Beiträge an die Clinic, die ihrerseits bedürftige Menschen wie bisher kostenlos behandelt. Diese Vereinbarung bewährt sich. Im vergangenen Jahr waren es 14‘324 Patienten, die für ihre ärztliche oder zahnärztliche Behandlung kein oder nur ein symbolisch geringes Honorar bezahlt haben.

Dank ihres guten Rufes wird die zahnärztliche Abteilung der Clinic auch von Patienten aufgesucht, die ein Honorar bezahlen können. Diese Erträge dienen zur Finanzierung der Behandlung von armen Patienten.

Die alten Leute und der Reis

Kambodscha kennt keine Altersversicherung. Wenn mittellose alte Menschen nicht mehr arbeiten können, sind sie auf die Unterstützung durch ihre Kinder angewiesen. Dieser Umstand ist einer der Gründe, warum in den Familien ein zahlreicher Nachwuchs als erwünscht gilt und nicht als Belastung aufgefasst wird.

Im vergangenen Sommer wurde Kambodscha von Überschwemmungen heimgesucht. Einmal mehr wurde ein beträchtlicher Teil der Reisernte vernichtet. Weil skrupellose Firmen viel Reis aufkauften und nach Vietnam exportierten, wurden Reis und andere Lebensmittel knapp und entsprechend teurer.

Ältere Menschen ohne unterstützende Verwandtschaft können sich oft nicht einmal genügend Nahrung leisten. Aus diesem Grund haben wir die Hilfe für diese Leute erhöht. HOPE FOR ALL verteilt Jeden Monat 500 Kilo Reis an bedürftige Familien und alte Leute.

Alter Autoklav Neuer Autoklav
Verteilung von Reis an bedürftige alte Menschen

Schulgelder gegen die Armut

In Kambodscha sind die Schulen kostenlos, aber die Lehrer erwarten von ihren Schülern jede Woche ein Geldgeschenk, um ihren dürftigen Lohn aufzubessern. Wer kein Geld bringt, wird im Unterricht nicht berücksichtigt. Diese Kinder schwänzen bald einmal die Schule und treiben sich auf der Strasse herum.

Weil sich arme Familien kein Geld für Lehrer leisten können, haben wir vor fünf Jahren das „Schulgeld-Programm“ ins Leben gerufen. Pastor Thavy, der Leiter des Projekts, wohnt in einem Armutsviertel von Phnom Penh. Wenn er Kindern begegnet, die offensichtlich nicht zur Schule gehen, sucht er ihr Zuhause auf. Diese Kinder stammen meistens aus armen Familien oder sie wohnen bei Verwandten, weil ihre Eltern an AIDS verstorben sind. Wenn der Grund für den fehlenden Schulbesuch tatsächlich Armut ist, werden die Kinder in das Schulgeld-Programm aufgenommen. Sie erhalten Unterstützungsbeiträge und müssen regelmässig die Schule besuchen.

Jeden Monat sieht Thavy die Kinder und ihre Eltern oder Erzieher. Er kontrolliert Zeugnisse und Schulhefte und überzeugt sich mit kleinen Tests über die Fortschritte, bevor er pro Kind 20 US-Dollars auszahlt. Dieser Betrag reicht für Lehrer, Schulhefte, Schuluniform und Schuhe. Die Regeln sind streng. Wer unentschuldigt der Schule fernbleibt, wird aus dem Programm gestrichen. Gegenwärtig erhalten 85 Kinder ein Schulgeld.

Jeder dritte Einwohner Kambodschas kann weder lesen noch schreiben. Thavy muss die Leute immer wieder überzeugen, dass Schulbildung eine unerlässliche Voraussetzung ist, um der Armut zu entkommen. Nicht selten werden die Kinder statt in die Schule zu einer (schlecht bezahlten) Arbeit geschickt.

Wir waren zwei Tage lang mit Thavy unterwegs und sahen viel Not. Oft fällt es schwer, die Unterstützung auf die Schulgelder zu beschränken, doch zusätzliche Hilfe würde bald zu Schwierigkeiten führen. Stichworte wie „Neidische Nachbarn“ oder „Fass ohne Boden“ umreissen das Problem.

Ein eindrückliches „fremdes“ Projekt

Wir haben bei unserem Besuch einige andere Hilfswerke kennen gelernt, die in Kambodscha tätig sind. Besonders beeindruckt hat uns die Organisation „Little Sprouts“, die sich um HIV-positive Kinder kümmert. Es sind meistens Waisenkinder, deren Eltern an AIDS verstorben sind. In sieben Häusern wachsen fast 100 Kinder im Alter zwischen 5 und 18 Jahren auf. Weitere 580 Kinder werden an ihrem Wohnort betreut. HOPE FOR ALL hat „Little Sprouts“ mit einer Zuwendung bedacht.

 

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