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Reisebericht 2007

Das meistgebrauchte Praxisinstrument ist eine Schere

Auch in Kambodscha ist Winter. Obwohl dort sogar im Januar angenehme Temperaturen herrschen, die wir Europäer kurzärmlig geniessen, suchen viele Patienten die Clinic wegen Erkältungskrankheiten auf. Ein wichtiges Instrument der Praxis-Schwester ist die Schere, mit der sie die verordneten Tabletten aus dem Blister herausschneidet. Sie gibt keine ganzen Packungen ab, denn diese würden auf dem Markt verkauft. Fast an jeder Strassenecke werden Medikamente angeboten, oft an der prallen Sonne und mit abgelaufenem Verfalldatum. Besonders beliebt sind Antibiotika, die bei allen möglichen und unmöglichen Beschwerden geschluckt werden. Kein Wunder, dass Resistenzbildungen häufiger beobachtet werden als in westlichen Ländern.

Mikrokredite

Mit zinsgünstigen Kleinkrediten hat HOPE FOR ALL bereits zahlreichen Menschen geholfen, eine selbständige Existenz zu gründen oder sogar einen kleinen Betrieb aufzubauen. Ander-seits gab es auch Misserfolge: Untaugliche Projekte oder Kreditempfänger (vor allem Män-ner), die das geliehene Geld verspielten oder sich damit aus dem Staube machten. Unser Kreditverwalter bekam darob eine Depression und ist von seinem Posten zurückgetreten. Weil sich kein geeigneter Nachfolger finden liess, geben wir seit Herbst 2006 keine weiteren Kredite mehr aus. Interessenten für neue Darlehen können sich an andere Organisationen wenden, die mittlerweile ebenfalls Mikrokredite vergeben.

Neues Projekt: Schulgelder

In Kambodscha ist der Schulbesuch kostenlos, doch die schlecht bezahlten Lehrer erwarten von den Schülern einen Zustupf an ihren Lohn. Wenn ein Kind nicht jede Woche Geld mitbringt, wird es im Unterricht nicht berücksichtigt. Arme Familien können sich solche "Schulgelder" nicht leisten. So kommt es, dass viele Kinder nicht zur Schule gehen und sich stattdessen auf der Strasse herumtreiben oder die Zeit vor einem Fernseher verbringen, der den ganzen Tag lang nur Schnulzen oder Karatefilme zeigt. Um diesen Kindern trotzdem etwas Bildung zu vermitteln, betreibt HOPE FOR ALL zwei kostenlose Schulen für Kinder im Vorschulalter. Die Kleinen lernen dort mit Begeisterung die Grundbegriffe des Lesens, Schreibens und Rechnens sowie soziales Verhalten, Zähneputzen und andere nützliche Dinge.

In der Umgebung der Clinic beschreiten wir einen anderen Weg, um Kindern aus armen Familien den Schulbesuch zu ermöglichen. Als „Dorfdoktor“ sieht unser Clinicarzt Dr. Sovuthy erschreckend viel Elend: Familien mit Kindern, deren Vater an AIDS verstorben und die Mutter ebenfalls mit dem Virus infiziert ist, oder Waisen, die bei ihrer betagten Grossmutter leben und nicht wissen, was passiert, wenn diese nicht mehr da ist. Der Arzt besucht solche Familien und macht Kinder ausfindig, die nicht zur Schule gehen. Wenn der Grund dafür tatsächlich Armut ist und nicht einfach Faulheit, übernehmen wir das Schulgeld und die Kosten für Schulmaterial und Schuluniform. Anhand von Zeugnissen und Lehrergesprächen wird kontrolliert, ob das Kind die Schule regelmässig besucht.

Staatsbesuch aus der Schweiz

Anfangs Februar war die Schweizer Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey auf Staatsbesuch in Kambodscha. Sie wurde mit militärischen Ehren empfangen, und ein riesiges Plakat zeigte ihren Pilzkopf zusammen mit dem kahl geschorenen König Norodom Sihamoni. Die Schweizer Magistratin besichtigte zwei Kinderspitäler von Dr. Beat Richner und das Tessiner Hilfswerk „Hagar“, führte ein Gespräch mit dem kambodschanischen Ministerpräsidenten Hun Sen und unterzeichnete ein Luftverkehrsabkommen.

Welscher Charme in Kambodschas Strassen
Welscher Charme auf Kambodschas Strassen

Die Schweiz beteiligt sich an den Kosten für ein Sondergericht, das auf Wunsch der UNO über die ehemaligen Führer der Roten Khmer urteilen soll. Die kambodschanische Regierung selber hat wenig Interesse, dass Ereignisse aufgerollt werden, in die auch einige der heutigen Amtsträger verwickelt waren. Sogar der Ministerpräsident war Offizier bei den Roten Khmer, bevor er zu den Vietnamesen übergelaufen ist.

Viele Jahre lang wurde der Prozess angekündigt, ohne dass etwas geschah. Dann begann ein jahrelanger Streit über die Zusammensetzung der Richter. Später stellte man fest, dass das Gebäude für ein solches Tribunal erst noch gebaut werden muss. Jetzt steht der Justizpalast, und auch 56 Millionen US-Dollars sind bereit, die das Verfahren kosten wird. Es soll drei Jahre lang dauern und etwa 2000 Juristen aus dem In- und Ausland beschäftigen. Angeklagt sind 50-60 ehemalige Funktionäre der Roten Khmer. Ihre Verbrechen liegen 30 Jahre zurück. Nur einer der Angeklagten sitzt im Gefängnis. Andere Kaderleute der Roten Khmer wurden amnestiert und leben heute auf freiem Fuss in Kambodscha.

Korruption

Als Tourist werden Sie von der Korruption in Kambodscha kaum etwas bemerken. Sie werden korrekt behandelt, denn Sie bringen Geld ins Land. Ihr Reisegepäck wird bei der Einreise praktisch nie und eher bei der Ausreise untersucht, um die illegale Ausfuhr von Antiquitäten zu verhindern.

Erst wenn man geschäftlich in Kambodscha zu tun hat, wird die Korruption spürbar. Als wir die Clinic einrichteten, war dies hautnah zu erleben. Wir hatten in der Schweiz bei Spitälern, Ärzten und dem Zivilschutz medizinische Geräte und Medikamente gesammelt und in zwei grossen Containern nach Kambodscha gebracht. Eine Bewilligung für die zollfreie Einfuhr der sorgfältig aufgelisteten Gegenstände war vorhanden. Als die kambodschanischen Zollbehörden feststellten, dass in diesem Fall kein Trinkgeld zu holen war, bestanden sie auf einer genauen Besichtigung aller Waren und verlangten dafür saftige „Gebühren“. Bei Temperaturen um 40 Grad waren wir eine ganze Woche lang beschäftigt, 21 Tonnen Material auszuladen und nach einer flüchtigen Inspektion wieder einzuladen. Einer der Container enthielt 1000 Flaschen Blutplasma. Dieses Medikament hätte bei der herrschenden Dengue-Epidemie für viele Patienten lebensrettend sein können. Doch die Zollbehörden waren unnachgiebig und verweigerten eine vorgezogene Freigabe. Das Blutplasma verdarb in der Hitze.

Die Korruption hat in Kambodscha viele Gesichter. Ein Lehrer verdient in Kambodscha ungefähr 50 Franken pro Monat und kann damit seine Familie nicht ernähren. Er verlangt das fehlende Geld von seinen Schülern. Wer nichts bringt, wird im Unterricht ignoriert. Für die ebenfalls unterbezahlten Polizisten ist es nicht besonders schwierig, ihren Lohn aufzubessern. Beispielsweise gilt für viele Strassen der Hauptstadt ein Lastwagen-Fahrverbot. Trotzdem sieht man dort häufig Lastwagen, die ebenso häufig von der Polizei angehalten werden. „Anhalten“ ist nicht das richtige Wort, denn eine Verlangsamung der Fahrt genügt, um dem Polizeimann ein paar Geldscheine in die Hand zu drücken und unbehelligt weiter zu fahren. Weil auch die Angestellten der staatlichen Spitäler und Polikliniken weniger als 50 Franken pro Monat verdienen, müssen die Patienten Trinkgelder bezahlen, um überhaupt behandelt zu werden.

Ganz andere Dimensionen hat die Korruption bei den hohen Regierungsämtern. Der Posten eines Staatssekretärs kostet 200‘000 US-Dollars, die unter der Hand an den zuständigen Minister bezahlt werden. Der Staatssekretär stellt seinerseits ein Dutzend Chefbeamte an, die ihm je 20'000 Dollars zustecken. So geht es weiter bis zum Polizisten, der 2‘000 Dollars hinblättern muss, um eine Anstellung zu ergattern.

Mundschutz ist „in“

Phnom Penh erstickt beinahe im Verkehr. Waren die Leute vor einem Jahrzehnt noch vorwiegend mit dem Fahrrad unterwegs, verstopft heute eine Flut von Kleinmotorrädern und weiteren motorisierten Gefährten die Strassen. Verkehrsregeln werden nur bei Bedarf eingehalten und die Pfiffe der Polizisten, welche Ordnung in das Verkehrsgeschehen bringen sollten, gehen ungehört im Verkehrslärm unter. Weil die Strassen nur teilweise oder gar nicht geteert sind, ist die Luft unglaublich staubig und stickig. Immer mehr Zweiradfahrer tragen einen Mundschutz, um ihre Lungen vor den Abgasen zu schützen.

Die Schweiz beteiligt sich an den Kosten für ein Sondergericht, das auf Wunsch der UNO über die ehemaligen Führer der Roten Khmer urteilen soll. Die kambodschanische Regierung selber hat wenig Interesse, dass Ereignisse aufgerollt werden, in die auch einige der heutigen Amtsträger verwickelt waren. Sogar der Ministerpräsident war Offizier bei den Roten Khmer, bevor er zu den Vietnamesen übergelaufen ist.

Viele Jahre lang wurde der Prozess angekündigt, ohne dass etwas geschah. Dann begann ein jahrelanger Streit über die Zusammensetzung der Richter. Später stellte man fest, dass das Gebäude für ein solches Tribunal erst noch gebaut werden muss. Jetzt steht der Justizpalast, und auch 56 Millionen US-Dollars sind bereit, die das Verfahren kosten wird. Es soll drei Jahre lang dauern und etwa 2000 Juristen aus dem In- und Ausland beschäftigen. Angeklagt sind 50-60 ehemalige Funktionäre der Roten Khmer. Ihre Verbrechen liegen 30 Jahre zurück. Nur einer der Angeklagten sitzt im Gefängnis. Andere Kaderleute der Roten Khmer wurden amnestiert und leben heute auf freiem Fuss in Kambodscha.

Korruption

Als Tourist werden Sie von der Korruption in Kambodscha kaum etwas bemerken. Sie werden korrekt behandelt, denn Sie bringen Geld ins Land. Ihr Reisegepäck wird bei der Einreise praktisch nie und eher bei der Ausreise untersucht, um die illegale Ausfuhr von Antiquitäten zu verhindern.

Erst wenn man geschäftlich in Kambodscha zu tun hat, wird die Korruption spürbar. Als wir die Clinic einrichteten, war dies hautnah zu erleben. Wir hatten in der Schweiz bei Spitälern, Ärzten und dem Zivilschutz medizinische Geräte und Medikamente gesammelt und in zwei grossen Containern nach Kambodscha gebracht. Eine Bewilligung für die zollfreie Einfuhr der sorgfältig aufgelisteten Gegenstände war vorhanden. Als die kambodschanischen Zollbehörden feststellten, dass in diesem Fall kein Trinkgeld zu holen war, bestanden sie auf einer genauen Besichtigung aller Waren und verlangten dafür saftige „Gebühren“. Bei Temperaturen um 40 Grad waren wir eine ganze Woche lang beschäftigt, 21 Tonnen Material auszuladen und nach einer flüchtigen Inspektion wieder einzuladen. Einer der Container enthielt 1000 Flaschen Blutplasma. Dieses Medikament hätte bei der herrschenden Dengue-Epidemie für viele Patienten lebensrettend sein können. Doch die Zollbehörden waren unnachgiebig und verweigerten eine vorgezogene Freigabe. Das Blutplasma verdarb in der Hitze.

Die Korruption hat in Kambodscha viele Gesichter. Ein Lehrer verdient in Kambodscha ungefähr 50 Franken pro Monat und kann damit seine Familie nicht ernähren. Er verlangt das fehlende Geld von seinen Schülern. Wer nichts bringt, wird im Unterricht ignoriert. Für die ebenfalls unterbezahlten Polizisten ist es nicht besonders schwierig, ihren Lohn aufzubessern. Beispielsweise gilt für viele Strassen der Hauptstadt ein Lastwagen-Fahrverbot. Trotzdem sieht man dort häufig Lastwagen, die ebenso häufig von der Polizei angehalten werden. „Anhalten“ ist nicht das richtige Wort, denn eine Verlangsamung der Fahrt genügt, um dem Polizeimann ein paar Geldscheine in die Hand zu drücken und unbehelligt weiter zu fahren. Weil auch die Angestellten der staatlichen Spitäler und Polikliniken weniger als 50 Franken pro Monat verdienen, müssen die Patienten Trinkgelder bezahlen, um überhaupt behandelt zu werden.

Ganz andere Dimensionen hat die Korruption bei den hohen Regierungsämtern. Der Posten eines Staatssekretärs kostet 200‘000 US-Dollars, die unter der Hand an den zuständigen Minister bezahlt werden. Der Staatssekretär stellt seinerseits ein Dutzend Chefbeamte an, die ihm je 20'000 Dollars zustecken. So geht es weiter bis zum Polizisten, der 2‘000 Dollars hinblättern muss, um eine Anstellung zu ergattern.

Mundschutz ist „in“

Phnom Penh erstickt beinahe im Verkehr. Waren die Leute vor einem Jahrzehnt noch vorwiegend mit dem Fahrrad unterwegs, verstopft heute eine Flut von Kleinmotorrädern und weiteren motorisierten Gefährten die Strassen. Verkehrsregeln werden nur bei Bedarf eingehalten und die Pfiffe der Polizisten, welche Ordnung in das Verkehrsgeschehen bringen sollten, gehen ungehört im Verkehrslärm unter. Weil die Strassen nur teilweise oder gar nicht geteert sind, ist die Luft unglaublich staubig und stickig. Immer mehr Zweiradfahrer tragen einen Mundschutz, um ihre Lungen vor den Abgasen zu schützen.

Die Schweiz beteiligt sich an den Kosten für ein Sondergericht, das auf Wunsch der UNO über die ehemaligen Führer der Roten Khmer urteilen soll. Die kambodschanische Regierung selber hat wenig Interesse, dass Ereignisse aufgerollt werden, in die auch einige der heutigen Amtsträger verwickelt waren. Sogar der Ministerpräsident war Offizier bei den Roten Khmer, bevor er zu den Vietnamesen übergelaufen ist.

Viele Jahre lang wurde der Prozess angekündigt, ohne dass etwas geschah. Dann begann ein jahrelanger Streit über die Zusammensetzung der Richter. Später stellte man fest, dass das Gebäude für ein solches Tribunal erst noch gebaut werden muss. Jetzt steht der Justizpalast, und auch 56 Millionen US-Dollars sind bereit, die das Verfahren kosten wird. Es soll drei Jahre lang dauern und etwa 2000 Juristen aus dem In- und Ausland beschäftigen. Angeklagt sind 50-60 ehemalige Funktionäre der Roten Khmer. Ihre Verbrechen liegen 30 Jahre zurück. Nur einer der Angeklagten sitzt im Gefängnis. Andere Kaderleute der Roten Khmer wurden amnestiert und leben heute auf freiem Fuss in Kambodscha.

Korruption

Als Tourist werden Sie von der Korruption in Kambodscha kaum etwas bemerken. Sie werden korrekt behandelt, denn Sie bringen Geld ins Land. Ihr Reisegepäck wird bei der Einreise praktisch nie und eher bei der Ausreise untersucht, um die illegale Ausfuhr von Antiquitäten zu verhindern.

Erst wenn man geschäftlich in Kambodscha zu tun hat, wird die Korruption spürbar. Als wir die Clinic einrichteten, war dies hautnah zu erleben. Wir hatten in der Schweiz bei Spitälern, Ärzten und dem Zivilschutz medizinische Geräte und Medikamente gesammelt und in zwei grossen Containern nach Kambodscha gebracht. Eine Bewilligung für die zollfreie Einfuhr der sorgfältig aufgelisteten Gegenstände war vorhanden. Als die kambodschanischen Zollbehörden feststellten, dass in diesem Fall kein Trinkgeld zu holen war, bestanden sie auf einer genauen Besichtigung aller Waren und verlangten dafür saftige „Gebühren“. Bei Temperaturen um 40 Grad waren wir eine ganze Woche lang beschäftigt, 21 Tonnen Material auszuladen und nach einer flüchtigen Inspektion wieder einzuladen. Einer der Container enthielt 1000 Flaschen Blutplasma. Dieses Medikament hätte bei der herrschenden Dengue-Epidemie für viele Patienten lebensrettend sein können. Doch die Zollbehörden waren unnachgiebig und verweigerten eine vorgezogene Freigabe. Das Blutplasma verdarb in der Hitze.

Die Korruption hat in Kambodscha viele Gesichter. Ein Lehrer verdient in Kambodscha ungefähr 50 Franken pro Monat und kann damit seine Familie nicht ernähren. Er verlangt das fehlende Geld von seinen Schülern. Wer nichts bringt, wird im Unterricht ignoriert. Für die ebenfalls unterbezahlten Polizisten ist es nicht besonders schwierig, ihren Lohn aufzubessern. Beispielsweise gilt für viele Strassen der Hauptstadt ein Lastwagen-Fahrverbot. Trotzdem sieht man dort häufig Lastwagen, die ebenso häufig von der Polizei angehalten werden. „Anhalten“ ist nicht das richtige Wort, denn eine Verlangsamung der Fahrt genügt, um dem Polizeimann ein paar Geldscheine in die Hand zu drücken und unbehelligt weiter zu fahren. Weil auch die Angestellten der staatlichen Spitäler und Polikliniken weniger als 50 Franken pro Monat verdienen, müssen die Patienten Trinkgelder bezahlen, um überhaupt behandelt zu werden.

Ganz andere Dimensionen hat die Korruption bei den hohen Regierungsämtern. Der Posten eines Staatssekretärs kostet 200‘000 US-Dollars, die unter der Hand an den zuständigen Minister bezahlt werden. Der Staatssekretär stellt seinerseits ein Dutzend Chefbeamte an, die ihm je 20'000 Dollars zustecken. So geht es weiter bis zum Polizisten, der 2‘000 Dollars hinblättern muss, um eine Anstellung zu ergattern.

Mundschutz ist „in“

Phnom Penh erstickt beinahe im Verkehr. Waren die Leute vor einem Jahrzehnt noch vorwiegend mit dem Fahrrad unterwegs, verstopft heute eine Flut von Kleinmotorrädern und weiteren motorisierten Gefährten die Strassen. Verkehrsregeln werden nur bei Bedarf eingehalten und die Pfiffe der Polizisten, welche Ordnung in das Verkehrsgeschehen bringen sollten, gehen ungehört im Verkehrslärm unter. Weil die Strassen nur teilweise oder gar nicht geteert sind, ist die Luft unglaublich staubig und stickig. Immer mehr Zweiradfahrer tragen einen Mundschutz, um ihre Lungen vor den Abgasen zu schützen.

Über den Strassen von Phnom Penh schwebt der Staub
Über den Strassen von Phnom Penh schwebt der Staub

Auch das Personal unserer Clinic trägt einen Mundschutz. Nicht wegen des Strassenstaubes (die Clinic liegt abseits vom grossen Verkehr), sondern aus Angst vor der Vogelgrippe. Im vergangenen Jahr ist in einem knapp 30 Kilometer entfernten Dorf ein dreijähriges Mädchen an der Vogelgrippe gestorben. Es hatte im elterlichen Hof mit Hühnern gespielt. Einen Monat später forderte die Seuche in einer angrenzenden Provinz ein zweites Todesopfer. Dies scheint die Behörden nicht zu kümmern. Obwohl in der Umgebung der Hauptstadt in mehreren Geflügelfarmen die Tiere an Vogelgrippe verendeten oder getötet werden mussten, gackert jede Menge Federvieh um die Häuser herum. Die Hühner und Enten werden dutzendweise auf Velos oder Motorräder gepackt und auf den Markt gebracht.

Besonders gefragt ist der Zahnarzt

Bereits draussen vor der HOPE FOR ALL Clinic ist das quietschende Surren von Zahnarztbohrern zu hören und im Innern des Gebäudes wird man vom typischen Zahnarztgeruch empfangen. Seitdem die Clinic im vergangenen Jahr ausgebaut wurde, sind neben der allgemeinmedizinischen Praxis drei zahnärztliche Behandlungsplätze in Betrieb. Mehr als tausend Patienten lassen jeden Monat hier ihre Zähne behandeln. Für bedürftige Menschen ist die Behandlung kostenlos. Ein erfahrener Zahnarzt führt die komplizierteren Eingriffe aus und überwacht die Tätigkeit von zwei angehenden Zahnärzten, einer diplomierten Assistentin und einer angelernten Hilfskraft.

Kambodscha ist zahnärztlich schlecht versorgt. Zuweilen trifft man entlang der Strasse auf ein Haus, an dem ein Schild mit einem gemalten Zahn darauf hinweist, dass an dem Ort Zähne behandelt werden. Meistens ist es ein „Naturzahnarzt“, der Zähne zieht oder schmerzstillende Pflanzen kauen lässt. Auch einige Spitäler auf dem Lande verfügen über eine zahnärztliche Abteilung, doch die Einrichtungen dort sind bescheiden und oft defekt. Zudem fehlt es an Verbrauchsmaterialien, so dass praktisch nur Extraktionen ausgeführt werden. 3% der Menschen in Kambodscha sind HIV-positiv, und es kann es gefährlich sein, sich einem Zahnarzt anzuvertrauen, dessen Instrumente nicht einwandfrei sterilisiert werden.

In Phnom Penh gibt es einen bemerkenswerten Werdegang zum Zahnarzt. Die Studenten besuchen an den Wochenenden und an einigen Abenden eine Schule und erwerben dort ihre theoretischen Kenntnisse. Die praktische Ausbildung erhalten sie von Montag bis Freitag in einem zahnärztlichen Betrieb. Der ganze Werdegang dauert 5 Jahre und wird mit einem anerkannten Diplomexamen abgeschlossen. Die beiden Zahnarztstudenten an unserer Clinic leisten gute Arbeit und erhalten ein angemessenes Salär. Ihre Studiengebühren werden durch eine zweckgebundene Spende bestritten.

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