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Das Land Kambodscha

Flagge Kambodscha

Fläche 181'000 km2 (4.5 mal die Schweiz)
Einwohner 14.5 Millionen
Einwohner 1979 ca. 4 Millionen
Einwohner in Phnom Penh ca. 2 Millionen
Lebenserwartung Frauen: 64 Jahre
Männer: 60 Jahre
Bevölkerungswachstum pro Jahr 2.5%
Analphabeten auf dem Lande bis 30%
Religion 92% Buddhisten
4% Taoisten
2% Christen
2% Moslems
Mit HIV infiziert ca. 3% aller Bewohner
Anzahl Waisenkinder 650'000 (Schätzung WHO)
Staatliche Gesundheitsausgaben unter 10 USD pro Jahr/Kopf
Jahreseinkommen pro Kopf ca. 600 USD

 

Die Geschichte von Kambodscha

Ca. 800 - 1400 n. Chr: Dank der Erfindung eines ausgeklügelten Bewässerungssystems, das pro Jahr drei Reisernten erlaubt, entwickeln die Khmer (Ureinwohner Kambodschas) eine Zivilisation, wie sie zu dieser Zeit nirgends auf der Welt zu finden ist. Das Reich umfasst in seiner Blütezeit auch die Nachbarländer Vietnam, Laos, Thailand und Teile von Malaysia. Es entstehen Städte mit mehr als einer Million Einwohnern und riesige Tempelanlagen wie Angkor Wat.

Ab ca. 1500: Das zerfallende Khmer-Reich wird immer mehr von seinen Nachbarn Thailand und Vietnam verschlungen. Aus dieser Zeit entstammt die traditionelle Abneigung der Khmer gegen die Vietnamesen, welche die Khmer als eine Art Untermenschen behandeln und zu dominieren versuchen.

1863-1953: Kambodscha ist ein Protektorat von Frankreich. Ein Glücksfall, denn sonst wäre Kambodscha von seinen Nachbarn Thailand und Vietnam gänzlich einverleibt worden. Die Monarchie bleibt erhalten.

1953-1970: Unter König Norodom Sihanouk wird Kambodscha in den Vietnam-Krieg verstrickt. Der Vietkong benutzt den berüchtigten Ho Chi Minh-Pfad in Kambodscha als Nachschubweg. Grosse Teile Kambodschas werden von den USA bombardiert, wobei auch die Zivilbevölkerung nicht verschont bleibt.

1970-1975: Der kambodschanische Premierminister Lon Nol erweist sich als unfähiger und korrupter Machthaber.

1975-1979: Das dunkelste Blatt in der Geschichte Kambodschas. Anfänglich unterstützt von Vietnam und vom grössten Teil der Bevölkerung übernehmen die Guerillatruppen der Roten Khmer unter Pol Pot die Macht in Kambodscha. Das Land soll in einen kommunistischen Agrarstaat verwandelt werden. Die Hauptstadt Phnom Penh wird innerhalb von zwei Tagen vollständig geräumt. Das Volk darf nur noch in einfachen Hütten auf dem Land leben. Geld, Post und andere Kommunikationsmittel werden abgeschafft, Maschinen durch primitive Werkzeuge ersetzt. Die Schulen werden geschlossen und aus den Schulhäuser werden Konzentrationslagern, in denen unzählige Menschen gefoltert werden. Später bringt man die Gefangenen in die "Killing Fields", wo sie ihre eigenen Gräber schaufeln müssen, bevor man sie erschlägt. Jeder persönliche Besitz und das private Pflanzen von Gemüse wird verboten. Damit keine besitzähnlichen Gewohnheiten entstehen, werden die Leute immer wieder umgesiedelt. Religiöse Betätigung ist untersagt. Die Pagoden werden zerstört oder zu Munitionslagern umfunktioniert. Kinder werden von ihren Müttern getrennt und in Lagern aufgezogen und indoktriniert. Wer sich den Anordnungen der Machthaber widersetzt, wird mit dem Tod bestraft, ebenso "Intellektuelle", die eine Brille tragen oder eine Fremdsprache beherrschen. Innerhalb von knapp 4 Jahren wird die Bevölkerung Kambodschas von 6 auf 4 Millionen Menschen dezimiert: Umgebracht oder gestorben an Hunger oder Krankheiten. Etwa eine halbe Million Kambodschaner flüchten über die verminte Grenze nach Thailand, von wo sie ab 1980 wieder zurückgeschickt werden.

1979-1989: Unter vietnamesischer Besatzung. Ohne grosse Mühe gelingt es Vietnam, Kambodscha zu besetzen und die Roten Khmer in die Wälder der nördlichen Provinzen zu vertreiben. Die Bevölkerung, von einem 4 Jahre dauernden Albtraum befreit, gerät unter der Herrschaft der ungeliebten vietnamesischen Nachbarn. Eine internationale Nahrungsmittelhilfe bewahrt das Land vor einer Hungersnot. Kambodscha erholt sich kaum, denn das ausgeblutete Land erhält praktisch keine Hilfe von aussen. Die USA heben die wirtschaftliche Blockade Vietnams und Kambodschas erst 1994 auf.

1989-1993: Vietnam hat seine Truppen zurückgezogen, doch der Wiederaufbau des Landes kommt nur schleppend voran. Verschiedene Parteien liefern sich immer wieder blutige Auseinandersetzungen um die Macht im Land.

1993: In einem Grosseinsatz organisiert die UNO die ersten freien Wahlen, an der sich 90 % des Volkes beteiligen. Ein unentschiedenes Ergebnis zwischen den zwei grössten Parteien bringt Kambodscha erneut an den Rand des Bürgerkriegs, bis König Sihanouk folgende "Lösung" findet: Die Kontrahenten Prinz Ranariddh und Hun Sen, ein Sozialist und ehemaliger Offizier der Roten Khmer, werden beide zu Premierministern ernannt! Die Parteien bekämpfen sich weiter mit eigenen Armeen. Um einer Anklage wegen Hochverrat zu entgehen, flieht Ranariddh im Juli 1997 nach Paris, von wo aus er vergeblich versucht, seinerseits Hun Sen zu stürzen. Gefechte um den Flughafen und den Fernsehsender von Phnom Penh fordern viele Todesopfer.

1998: Neue Wahlen ergeben eine Mehrheit zugunsten von Premierminister Hun Sen. Ranariddh wird zum Parlamentspräsidenten ernannt und dessen Armee aufgelöst. Das Land hat endlich Frieden, gerät aber durch eine Reihe von Missernten infolge Trockenheit und Überschwemmungen immer wieder in Hungersnöte. Asien wird von der Wirtschaftskrise erfasst; auch im Billiglohnland Kambodscha werden viele ausländische Fabriken geschlossen.

2003: Bei Wahlen bleibt Hun Sen siegreich, doch die Oppositionsparteien verweigern ihm die Zweidrittelmehrheit, die nötig wäre, um eine Regierung zu bilden.

2004: Nach 11 Monaten einigen sich die Parteien endlich auf eine definitive Regierung. Hun Sen bleibt Ministerpräsident. Der 81 jährige König Norodom Sihanouk dankt ab. Sein Nachfolger wird Prinz Norodom Sihamoni, ein ehemaliger Ballet-Tänzer.

2008: Korrekte Wahlen ergeben eine Bestätigung der bisherige Regierung von Ministerpräsident Hun Sen. Das politische System bleibt stabil.

2010: Ein internationales Tribunal führt einen ersten Prozess gegen Kriegsverbrecher der Roten Khmer durch. Der 67-jährige „Duch“, ehemaliger Chef des Foltergefängnisses von Phnom Penh, muss für 30 Jahre hinter Gitter.

2013: Bei Parlamentswahlen erringt die Oppositionspartei 45% der Sitze und behauptet, dass sie nur wegen Wahl-Manipulationen keine Mehrheit stellen kann. Gewaltsame Demonstrationen gegen die Regierung fordern Todesopfer. Die Regierung unter Ministerpräsident Hun Sen bleibt an der Macht.

 

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